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Professor (em) Dr. Andreas Lindemann, Bielefeld, on 23 April 2018 (continued)

Land iguanas, North Seymor, Galapagos August 1989
Land iguanas, North Seymor, Galapagos August 1989

For technical reasons you can find the english translation of the following text via the “Google Übersetzer” on the german blog: https://bibel-blog.com/2019/01/28/196/

 

Sie schreiben (S. 17), Sie könnten den von Ihnen „neu erschlossenenen Quellen entnehmen“, dass Jesus „kein religiöser Lehrer, sondern ein religiös verehrter Staatsmann“ war. Diese Behauptung wiederholen Sie dann häufig in unterschiedlichen Zusammenhängen, ohne auch nur anzudeuten, welche Quellen Sie in dieser Richtung „neu erschlossen“ haben.

 

 

Ganz unbegründet scheint mir in diesem Zusammenhang auch die auf derselben Seite angedeutete (später dann wiederholte, etwas These 91) Behauptung zu sein, die Entstehung der Schriften des Alten Testaments falle in die Zeit des Herodes Antipas und Agrippas I. Ein Teil der AT-Forschung neigt gegenwärtig zu Spätdatierungen, aber dass diese Schriften zu Jesu Lebzeiten verfasst wurden, scheint mir eine ganz unbegründete Behauptung zu sein.

 

Und die Behauptung, es habe das Judentum in vorrömischer Zeit nicht gegeben, scheint mir vollends aus der Luft gegriffen zu sein – es sei denn, Sie datieren 753 v. Chr. als Beginn der „römischen Zeit“. Wie Sie sich vorstellen, dass die AT-Schriften zur Zeit (Jesu) entstanden und dann um 70 n. Chr. diese Schriftensammlung zum Abschluss kam (These 131), bleibt rätselhaft – so schnelllebig dürfte diese Epoche denn nun doch nicht gewesen sein.

 

Sie schreiben (These 14), der „weltgewandte Jesus“ sei Teil der Oberschicht Galiläas gewesen und „Statthalter des Fürsten Antipas“, und Sie führen das dann in den Thesen 82-85 näher aus. Wenn sich Derartiges auch nur ansatzweise belegen ließe, hätte ich überhaupt nichts dagegen; aber Ihre Überlegungen dazu (unter V.2) sind leider nicht einmal mehr Behauptungen, sondern pure Phantasie.

 

Ihr Vorgehen passt auch nicht zu dem, was Sie unter 1.4 schreiben (Glaube, Bibel, Wissenschaft). Ihre These 20 etwa würde ich voll teilen, aber Sie sollten nicht vorher eine historisch absolut unbegründete Behauptung aufstellen.

 

Dass die einfachste Hypothese immer die beste ist, habe ich währende meiner gesamten Lehrtätigkeit immer vermittelt (weil ich es so auch von meinem Lehrer Hans Conzelmann gelernt hatte); Sie selber halten sich aber seltsamerweise gar nicht an diese Prinzip.

 

Ihre These 30 scheint mit im Wesentlichen zutreffend zu sein, die dann unter These 33 vertretene Behauprung ist aber wieder ohne jeden wissenschaftlich belegbaren Anhalt. Ähnliches gilt für These 141: Ich hätte gar nichts dagegen, mir Jesus etwas älter vorzustellen; aber Joh. 2,20 und 8,57 sind dafür gar keine Belege!

 

Gegen die von Ihnen vorgeschlagene Chronologie der Apostelzeit hätte ich gar nichts, aber die Aussagen in Thes 177 sind leider ganz unbegründet (ebenso These 207 und These 248). Ihre Überlegungen zur NT-Kanonbildung (V 15) sind zum Teil sicher nicht falsch, aber auch nicht ungewöhnlich. Das Stichwort „Aufnahme in den Kanon“ setzt übrigens indirekt voraus, dass es eine Instanz gab, die darüber entscheiden konnte; aber als es in der Kirche eine entsprechende Instanz gab, stand der Kanon ja längst fest.

 

Ich finde es durchaus eindrucksvoll, dass Sie sich so intensiv mit dem Urchristentum befassen. Aber, es sollten, wenn Sie mir diese Bemerkung erlauben, in Ihre weiteren Überlegung etwas mehr wissenschaftliche Selbstzweifel Eingang finden.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Lindemann

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